
Ein Jahr nach Klinikaustritt fand kürzlich der dritte «Burnie Brunch» statt: sieben einstige Bewohner der Wohngemeinschaft für Ausgebrannte trafen sich in Bern zu einem gemütlichen Tag.
Es waren gute Stunden! Wir haben viel erzählt, viel gelacht, viel diskutiert und viel gegessen… und durften feststellen: Jeder ist auf seinem Weg, (fast) jeder fühlt sich wohl in seiner Haut, jedem geht es gut. Die Freude ist zurück: die Freude am Leben, die Freude auf den nächsten Tag, die Freude an der Gegenwart. Was mir aufgefallen ist und was uns verbindet:
Wir sind andere Menschen geworden
Wir haben uns verändert: «Ich bin nicht mehr der gleiche Mensch wie früher.» Sagen viele. Wir haben neue Werte entdeckt: Achtsamkeit, Bewusstheit, Gesundheit und Zufriedenheit. Und: Langsamkeit! Wir fühlen uns wohl – aber für unsere Lebenspartner ist das zuweilen verwirrend… weil sie uns ein Stück weit neu entdecken müssen.
Wir sagen Nein
Wir haben gelernt, Nein zu sagen und unsere Grenzen zu setzen. Wir geben Acht auf uns und unsere Bedürfnisse. Und das ist gut so!
Wir leben mit weniger Energie
Wir stellen fest: Unsere Energie und unsere Kraftreserven sind nicht mehr wie früher. Die Batterien entleeren schnell. Unsere Arbeitsleistung pendelt zwischen 70 und 100 Prozent – mehr liegt zurzeit nicht drin. Vielleicht nie mehr. Wir können es akzeptieren.
Wir lassen Unbekanntes zu
Wir wollen nicht mehr mit dem Kopf durch die Wand, leben und handeln nicht mehr auf ein Ziel fixiert. Viel mehr: Wir lassen mehrere Wege offen, sind bereit für das Unbekannte, haben einen offeneren Geist. Und fühlen uns wohl dabei.
Wir haben keine Angst
Wir haben keine existenziellen Ängste mehr, leben aber mit Unsicherheiten, die uns zwar beschäftigen, aber nicht dominieren.
Wir orientieren uns beruflich neu
Nicht alle, aber viele orientieren sich neu: Schritt in die Selbständigkeit, Studium als Mittdreissiger, neue Stelle beim gleichen Arbeitgeber.
Fazit: Uns geht es gut. Das Burnout ist nicht mehr Mittelpunkt in unserem Leben. Sondern eine Erfahrung, die uns begleitet – und die ich sogar als Privileg betrachte. Punkt.